KAZUYO SEJIMA + RYUE NISHIZAWA / SANAA, Tokyo

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18. November 2010 – 20. Januar 2011
Eröffnung: Donnerstag, 18. November 2010, 18.30 Uhr

Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin
Öffnungszeiten: Di-Fr 11 bis 18.30 Uhr, Sa-So 13 bis 17 Uhr

Diese Ausstellung wurde ermöglicht mit der großzügigen Unterstützung von:

In Zusammenarbeit mit Zumtobel präsentiert Aedes die Ausstellung KAZUYO SEJIMA + RYUE NISHIZAW / SANAA, Tokyo.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten der japanischen Architektin und Pritzker-Preis-Trägerin Kazuyo Sejima und ihres Partners Ryue Nishizawa mit ihrem Büro SANAA aus Tokio. Kazuyo Sejima, Kuratorin der diesjährigen 12. Architekturbiennale in Venedig, und Ryue Nishizawa verfolgen mit ihren Projekten gemeinsame Ideen: der Übergang zwischen Innen- und Außenbereichen und ein Gebäudeprogramm als Resultat einer diagrammatischen Architektur, die ihnen weltweite Anerkennung verschafft hat. Ihre Architektur wird dadurch charakterisiert, dass sie die Grenzen zwischen Innen und Außen herausfordert.

Eine große Fotoarbeit des italienischen Künstlers Walter Niedermayr aus Bozen wird ebenso in der Ausstellung präsentiert. Sie eröffnet eine neue Perspektive auf die Bauten von SANAA und stimuliert den kontinuierlichen künstlerischen Austausch zwischen den beiden Disziplinen.

Die Ausstellung bietet einen Einblick in die Arbeiten von SANAA, dem subtilen Wechselspiel von Licht und Material, und thematisiert die Beziehung zwischen einem Programm, seiner Nutzung und seiner Verwirklichung – der architektonischen Form.

Aedes hat bereits vor zehn Jahren SANAA in einer Ausstellung mit dem Titel "SANAA – recent projects” vorgestellt. Diesen Winter werden folgende Projekte präsentiert:

Rolex Learning Center, EPFL (Ecole Polytechnique Federale de Lausanne), Schweiz:
Das aktuellste von SANAA konzipierte Gebäude in Europa ist ein Erweiterungsbau der Technischen Fakultät der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne. Das Learning Center ist eine multifunktionale Einrichtung mit einer Bibliothek, einem Sprachenzentrum, Büros, Cafés, einem Restaurant und einer Halle. An zentraler Stelle können Studenten und Besucher in einem großen Raum treffen und versammeln. Dach und Boden sind sanft gewellt und im gesamten Komplex finden sich unterschiedlich dimensionierte Höfe und Terrassen. Der Haupteingang ist von allen vier Seiten zugänglich. Besucher schlendern die sanften Anhöhen hinauf oder laufen an den Freiflächen vorbei, um Zugang zu den unterschiedlichen Gebäudefunktionen zu erhalten. Von den leicht erhöhten Flächen aus genießen Besucher den Blick auf den Campus, den Genfer See und die Alpen. Durch die Höhenunterschiede und die großen und kleinen Patios werden vielfältige Milieus geschaffen. Für Großveranstaltungen kann die Bestuhlung der Multifunktionshalle über den Hang hinauf erweitert werden. Auf der Anhöhe mit dem schönen Ausblick kann man in Ruhe ein Buch aus der Bibliothek lesen oder einen Kaffee auf einer der großen Terrassen trinken. Ziel war die Gestaltung eines Platzes, wo sanft abgegrenzte Einzel-Aktivitäten zugleich natürlich ineinander übergehen und so einen einheitlichen Raum schaffen.

Louvre-Lens, Frankreich: Das Aufbrechen des Volumens in kleinere Teile vermeidet eine Blockierung des Standortes und reduziert zugleich den Maßstab dieser Großanlage. Größe und Biegung nehmen die Dimensionen und Anordnung einer alten Eisenbahnanlage auf, die sich an der Peripherie des Standorts befindet. Ein zentral gelegener Glaskubus fügt eine Leerstelle zwischen die Gebäudevolumen ein und erschließt das Gebäude visuell und physisch. Dieser zierliche Glaskasten dient als Foyer und großer öffentlicher Raum. Er ist transparent, öffnet sich in verschiedene Richtungen und kann nicht nur von Museumsbesuchern durchquert werden. Geradlinige Volumen erschienen SANAA zu starr, um der Vorstellung von extremer Affinität gerecht zu werden. Andererseits können die Innenbereiche eines Museums von einer völlig entfesselten freien Form erdrückt werden. Durch sanfte Krümmung wird das Volumen in Richtung Natur gedreht, die Erfahrung des Innenbereichs leicht verzerrt und ein durchdachter Dialog mit der Kunst initiiert. Eine hochreflektierende, polierte und eloxierte Aluminiumfassade vereint Natur und Gebäude und produziert unscharfe Abbilder der Umgebung, die sich mit der Szenerie, dem Wetter und dem Standort des Besuchers laufend verändern. Das Erschließungssystem tritt stellenweise aus dem Gebäudevolumen heraus: Besucher finden sich in gläsernen Tunneln wieder, die sich durch das Feld winden, und wandern so an einem Ort zwischen Natur und ihrer reflektierten Bilderwelt umher – in einer Welt des Realen und Irrealen.  

HyundaiCard Concert Hall, Korea: Dieses komplexe Gebäude, auf einem hügeligen Grundstück in Seoul gelegen, beherbergt eine Konzerthalle, Restaurants, ein Café und einen Buchladen. Die geschichteten, sanft gewellten Ebenen öffnen sich der Stadt. Eingangshalle und Foyer befinden sich auf der ersten Etage, Café und Buchladen auf der zweiten, ein Restaurant mit einem Rundumblick auf die Altstadt im obersten Geschoss. Im unteren Gebäudekern liegt die nach akustischen Maßgaben konzipierte Musikhalle; der offene Charakter des Gebäudes ermöglicht zugleich die Unterbringung multifunktionaler Räume. Durch seine architektonische Gestaltung kann sich der gesamte Bau in eine einzige große Konzerthalle verwandeln.

Serpentine Gallery Pavilion 2009, Großbritannien: Der Pavillon besteht aus schwebendem Aluminium, wie Rauch frei zwischen den Bäumen hängend. Das reflektierende Vordach setzt sich wellenförmig in den Park und Himmel fort. Seine  Erscheinung ändert sich mit dem Wetter, wodurch es mit der Umgebung zu verschmelzen scheint. Wie ein Aktionsfeld ohne Wände ermöglicht es Zugang von allen Seiten und ungehinderte Perspektiven durch den Park. Die organische Form des Pavillon schafft Flächen und Räume mit unterschiedlichem Charakter. Die Dachlinie läuft um einen Veranstaltungsraum, ein Café, einen Musikbereich und eine Erholungsfläche herum – eine geschützte Erweiterung des Parks, wo Besucher lesen, ausruhen und Sommertage genießen können. Das 26 mm dicke Aluminiumdach liegt leicht auf den unregelmäßig im Park verteilten Säulen mit einem Durchmesser von 50 mm. Gebogene Acrylwände bieten transparenten Schutz, schaffen angenehme Flächen für abendliche Veranstaltungen und verfremden zugleich sanft den Blick auf den Park.

Torre Neruda, Mexiko: Bei diesem Projekt handelt es sich um ein 25-stöckiges Gebäude mit Büroflächen zwischen 1000 und 500 Quadratmetern Größe. Die drei obersten Etagen sind für eingeschossige Wohneinheiten, einen Privatclub und/oder Büros mit speziellen Anforderungen reserviert. Im vertikalen Verlauf des Gebäudes erscheinen Rücksprünge von 1 m Länge an verschiedenen Seiten. So entstehen vier einzigartige Fassaden, die auf jeder Etage durch Terrassen aufgelockert werden. So wie sich die Beziehung zwischen Kern, Hülle und Terrassen verändert, so verändert sich auch der Charakter der Büroflächen. Bei bewölktem Wetter nimmt das Gebäude eine monolithische Form an, indem sich die kleinen Rücksprünge in eine Gesamtform falten, aus der Ferne wie ein Berg anmutend. Bei Sonnenschein wird das Licht von den Rücksprüngen reflektiert, was dem Volumen Tiefe verleiht. Die einfache Stahlkonstruktion folgt der Form des Gebäudes. Entsprechend der Anlage der Rücksprünge sind die Säulen auf jeder Etage versetzt. Das Erdgeschoss beherbergt eine Bank, ein Restaurant und ein Café. Ungefähr zwei Drittel der Fläche sind für Grünflächen vorgesehen.

Inujima Art-House Project, Japan: Inujima ist eine winzige, von nur 50 Familien bewohnte Insel im Seto-Inlandsee. Das Art-House Projekt hat sich zur Aufgabe gestellt, diesen nahezu entvölkerten Flecken in ein “Museum” zu verwandeln – durch die Sanierung existierender Häuser und die Errichtung neuer Konstruktionen, die als Ausstellungsorte genutzt werden sollen. Die Insel ist geprägt von einer sanften Hügellandschaft mit einer vielfältigen ursprünglichen Vegetation. Jedes Art-House und die darin ausgestellte Kunst fügen sich harmonisch in ihre Umgebung ein. An manchen Stellen werden alte Holzkonstruktionen wieder aktiviert, an anderen entstehen neue Strukturen aus Acryl, Aluminium oder Stein aus der Region. In ihrer Gesamtheit betrachtet, erwächst aus den Art-Houses eine neue Landschaft. Vier Modelle des Projekts werden in der Ausstellung gezeigt.

Teshima Art Museum, Japan: Das Museum befindet sich auf einer herrlichen, von Reisterrassen geprägten Anhöhe auf Teshima Island im Seto-Inlandsee. Der architektonische Entwurf basiert auf freien, Wassertropfen nachempfundenen Kurven. Die gebogene Form soll einen kraftvollen architektonischen Raum in Harmonie mit der wellenförmigen Landschaft gestalten. Eine dünne Betonscheibe reicht 60 m in die Höhe und schafft einen großen organischen Innenraum. Durch die vergleichsweise geringe Deckenhöhe und den niedrigen, sich horizontal erstreckenden Innenraum erscheint die Konstruktion wie ein Teil der Landschaft, eines Hügels oder einer Anhöhe. Große Öffnungen in der Gebäudehülle lassen Licht, Regen und frische Luft hindurch. So entsteht ein dynamischer Raum, abgeschlossen und offen zugleich. Ziel ist eine Verschmelzung von Umwelt, Kunst und Architektur, die zugleich als Gesamtheit funktioniert.

Garten und Haus, Japan: Dieses Homeoffice in einem dicht besiedelten Viertel nahe dem Tokioter Hauptbahnhof wird von zwei im Verlagswesen tätigen Frauen bewohnt, die in diesem historischen Umfeld zugleich leben und arbeiten wollen. Unterschiedliche Funktionen, wie Büro, Wohn- und Schlafbereiche sollen optimal integriert werden. Der extrem schmale (8x4 m) rechteckige Grundriss ist – ohne Rücksprung – von riesigen, über 30 m hohen Gebäuden umgeben. Der Standort befindet sich regelrecht in einer Talsohle. Normale Innenwände hätten die ohnehin geringe Raumbreite noch weiter reduziert, daher musste eine Möglichkeit gefunden werden, ein Gebäude ohne Wände zu gestalten. Letztlich wurde eine Konstruktion gewählt, die auf einer vertikalen Schicht horizontaler Scheiben basiert. Auf jeder Etage gibt es statt Wänden nur einen Raum. Jeder Raum, ob Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Badezimmer hat einen eigenen Garten, was es den Bewohnern ermöglicht, ein offenes Umfeld und eine frische Brise im Alltagsleben zu genießen. Trotz der eher lichtlosen Bedingungen des Standorts, bietet dieses wandlose, transparente Gebäude ein Umfeld mit maximaler Ausbeute an Sonnenlicht und zugleich größten Komfort an diesem außergewöhnlichen Ort im Herzen von Tokio.

Zur Eröffnung sprechen:
Dr. h. c. Kristin Feireiss, Aedes Berlin,
Dr. Harald Sommerer, CEO Zumtobel Group, Dornbirn
Prof. Koji Ueda, Direktor, Japanisches Kulturinstitut Köln
Martha Thorne, Direktorin, The Pritzker Architecture Prize, Chicago

Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Katalog (10€).

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